sches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 79
Der Streit des Löwen mit dem Lindwurm, dem der
König hilft, wird in unserm Heldenbuch von einem
griechischen Kaiser in der Lombardei bestanden. Wie
der Löwe den König, so hac ein Panther im Morgenland
seinen Befreier dankbar fortgetragen. Endlich
der nordische Held gedenkt der kalten Winter, da er
vor Troja gelegen. Wie wunderbar erscheint dies alles!
als ob eine geheime Verbindung aller Volker bestanden,
oder als waren diese gleichen Töne in den entferntesten
Gegenden von einer gemeinsamen Melodie übrig
geblieben. In dem Gemüth des Menschen liege«! Erinnerungen
aus der frühesten Kindheit, oft lange, und
stehen auf einmal hell vor ih«n, aber Statte oder Zeit
ist vergeßen: warum sollten sie den Völkern nicht geblieben
seyn, und was kann es hindern, daß der lebendige
Sinn, der keine Zeitrechnung kennt, sie an die
Gegenwart knüpft? Nur als ein herrliches Zeichen in
dieser stehend, kennt die Poesie eine Vorzeit nicht als
etwas vergangenes.
Die andere Abtheilung enthalt Balladen und
Märchen. Diese werden den meisten naher stehen,
nicht nur wegen ihrer Mannichfaltigkeit, sondern auch
weil es unmöglich ist, daß diese Poesie nicht für jedes
Gemüth einen Punct habe, der es berühre und erfreue.
Hier sind alle Farben des Lebens ausgetheilt: Scherz,
Lust, Muth, Ueppigkeit, treue Liebe, Trauer nnd höchstes
Leiden, und in der Tiefe ruhen die Geheiinniße
eines fchönen Glaubens, der .die ganze Natur belebt