© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 79
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Fünf Winter lang sie es ernährt.
Da ward's des Königs kleiner Bube werth.
Der wuchs so bis zum achtzehnten Jahr,
Des Königs eignen Banner trug er da.
Der König gab ihm Burg und Lehen,
Dazu seine eigne Tochter schön.
Der König zu seiner Tochter spricht:
„Und wann willst du vermählen dich?"
Wann es zusagt der Herr Vater mein.
Und wann will das väterlich Herze sein.
„Herr Karl ist der köstlichst' an mein'm Hofe hier;"
Nein, das ist Styge, so dünkt es mir.
Das mogte dauern bis zur Hochzeit:
Die Jungfrau trüge täglich Leid.
Sie tranken die Hochzeit, das währt fünf Tag,
Die Braut wollte nicht zu Bett darnach.
Am sechsten Tag, da der Abend graut.
Da zogen sie mit Gewalt die Braut.
Die setzten die Braut nieder in das Bett,
Herr Karl nicht lang dabei ruhen thät.
An die weißen Wangen er streichelt' ihr:
Wendet Euch, allerliebste, herum zu mir.
„Schweig still, Karl lieber Sohne mein,
Ich bin die liebste Mutter dein."
Und das ist Schand in meines Vaters Land:
Eine Mutter soll haben ihren Sohn zum Mann.
Und das ist Schand auf dieser Insel so sehr:
Ihr tragt die Goldkron' und seyd keine Jungfrau mehr.