Volltext: Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen

Summe  des  Volks  gefolgt  sey  und  der  Geschichte  dertraut
  habe,  wie  sie  gewachsen  war,  nicht,  wie  sie  von
geschäftigen  Handen  getrocknet  und  aufbewahrt  worden.
Die  Geschichtschreiber  achten  es  gering  auf  das  Privatleben ­
  Rücksicht  zu  nehmen,  und  beschreiben  nur  das
politische  Treiben,  wahrend  doch  die  Götter  selbst  zu
den  Wohnungen  der  Menschen  herabgestiegen  sind  und
ihr  Leben  betrachtet  haben.  Der  einäugige  Othin  ist
oft  verkleidet  in  die  Hallen  der  Könige  getreten,  und
hat  nicht  blos  im  Krieg  ihnen  beigestanden.  So  hat
uns  die  Geschichte  von  der  Königin  Dagmar  kaum  den
Namen  erhalten,  da  die  Lieder  uns  ihr  frommes  Leben ­
  entfalten,  auf  welchem  der  Glanz  eines  reinen  Himmels ­
  liegt  (wie  auch  ihr  Namen:  Tagfrau,  andeutet),
und  welches  ein  beßeres  Büd  jener  Zeiten  gibt,  als  die
kalten  Beschreibungen  der  Historiker  von  einer  ganzen
Königöregierung.
Was  wir  überhaupt  in  all  diesen  Liedern  lieben,
das  ist  die  Lust  des  Herzens,  die  darin  spricht,  die
trauert  oder  sich  freut.  Wir  müßen  sie  als  das  Höchste ­
  achten,  weil  aus  ihr  allein  entspringt,  was  man
durch  Leben,  Wahrheit,  Schönheit,  Poesie,  oder  sonst,
ausdrücken  will.  Daö  ist  der  große  Unterschied  der
Volksdichtung  vor  der  Kunst,  daß  sie  keine  Wüsten
kennt,  sondern  die  ganze  Welt  grün,  frisch  und  entzündet ­
  glaubt  von  Poesie,  daß  sie  weiß,  es  werde  doch
alles  von  dem  Himmel  umfaßt  und  nichts  sey  ungezählt; ­
  auch  kein  Haar  auf  dem  Haupt.  Darum  sagt
	        
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