Full text: Lateinische Gedichte des X. und XI. J[ahr]h[underts]

XLIV 
da je vila | , na visclie bi bila. 
na ramena | , ka’ sve na kamena. 
Ivo prosi | , duschde se ponosi. 
dieser nacli innen hin gelegte, die langzeile selbst nicht 
verlassende slavisclie reim stimmt zu dem althochdeut 
schen w r ie zu dem leoninisclien , weicht aber von den 
romanischen endecasillabe ab, die in die folgende zeile 
fort reimen , wie das lied von den Nibelungen. 
Die kleineren gedickte des anhangs entfalten mehr 
fache metra, alle sind gereimt und in Strophen. Am 
wenigsten einfach ist das lied auf Heinrich II, dem wahr 
scheinlich eine bestimmte melodie unterlag; jede seiner 
Strophen endigt mit einem leoninisclien hexameter. He- 
riger und Alverad haben sechszeilige Strophen von fünf, 
die drei übrigen dichtungen vierzeilige von acht silben, 
in jambischem schwung, wie es schon die milteilatei 
nische diclitkunst früherer Jahrhunderte liebte. Unter 
vielen beispielen nenne ich den hymnus des Venan- 
tius Fortunatus de Leontio episcopo (1, 16) und den 
berühmten in honorem sanctae enteis (2, 7): 
Agnoscat omne saeculum 
Antislitem Leonlium, 
Burdegalense praemium, 
Dono superno redditum. 
und Vexilla regis prodeunt, 
Fulget crucis mysterium, 
Qua carne carnis conditor 
Suspensus est patibulo. 
Die weise scheint besonders in Deutschland und na 
mentlich in lothringischem, niederländischem gebiet, lange 
Zeiten hindurch, beliebt. Docen (misc. 2, 191) führt 
aus trierischer gegend folgenden anfang eines liedes, 
vermutlich des dreizehnten jh. an :
	        

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