Volltext: Lateinische Gedichte des X. und XI. J[ahr]h[underts]

© Hessisches Staatsarchiv 
In deutscher gegend zur zeit des dreizehnten jh. ver- 
fafst ist folgendes lied mit ganz kurzen, frisch und leb 
haft klingenden zeilen, die in deutsche worte überge 
hen, wie auch sonst öfter geschieht: 
Stetit puella 
Rufa tunica, 
Si quis eatn tetigit 
Tunica crepuit. eia. 
Stetit puella 
Tanquam rosula, 
Facie splenduit 
Et os ejus floruit. eia. 
Stetit puella 
Bi einem boume, 
Scripsit amorem 
An einem loube. 
hier bequemt sich die fremde spräche ganz der landes- 
art und wirkt um so sicherer. 
Nach diesen ausfülirungen oder andeutungen, denen 
einhalt zu thun zeit ist, ergibt sich genugsam, was die 
mittellateinische poesie erreicht und verfehlt hat, aber 
auch, wie wenig vorbeigegangen werden kann sie genau 
zu studieren, sie fliefst auf die heimische diclitkunst ein 
und empfängt von dieser eindrücke, sie erhebt ihre stimme 
da, wo jene zum schweigen gebracht ist, zu ihr hat sich 
eine menge von stof geflüchtet, den jene erzeugte aber 
kein mittel mehr hatte zu erhalten. Ziehen beide ne 
beneinander, so ist es lehrreich zu vergleichen, auf welche 
weise sie sich bald hemmen bald unterstützen. Eine be 
deutende zahl lateinischer gedichte des zehnten, eilften und 
zwölften jh. war vorhanden, die mit dem aussterben der 
althochdeutschen und dem aufblülien der mittelhoch 
deutschen poesie vielfach Zusammenhängen. 
Ist es für solche ansichten neuen boden zu begrün
	        
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