Full text: [Rezension:] Die althochdeutschen Präpositionen. Ein Beytrag zur deutschen Sprachkunde und Vorläufer eines althochdeutschen Sprachschatzes, nach den Quellen des achten bis elften Jahrhunderts, Von E. G. Graff. (..) Königsberg: Bornträger 1824

6 Zur deutschen Sprachsünde. XXVHI. Bd. 
Hochdeutsch, mehr die früheren Mundarten, noch mehr vielleicht 
die slavischen. 
Es verdiente eigens erwogen zu werden, welche ursprüng 
lich reinen Verhältnisse der obliquen Casus in jeder Sprache ge 
blieben, welche dem verwickelteren Ausdruck durch Präpositionen 
nach und nach gewichen sind. Die Vergleichung der Mundarten 
und Stämme führt uns hier recht auf die Vielseitigkeit und Un- 
ergründlichkeit des menschlichen Geistes. Ich will von jedem Ca 
sus aber nur einige Beyspiele erläutern. 
Die lateinischen Verba habitare und colere haben den blo 
ßen Accus, der Sache bey sich. Eben so findet sich vunjan im Ags., 
und bua im Altn. construirt. Beov. 96: se the yäter- egesan 
vunjan scolde, cealde streämas (quem oportuit habitare 
aquarum horrores, frigidos amnes); Edda Sa&m. 72 1 ; : the- 
gar muno Jotnar Asgard bua (tum gigantes Asgardum habi- 
tabunt) 5 172® : hverr bvggir her borgir thessar? (quis ha- 
bitat has arces?). Hier muß der Schwede schon den Dativ mit 
der Präp. i setzen: i Asgärd bygga, hvem bor i denna bor 
gen, eben so der Däne boe mit i gebrauchen. Bey Ulfilas 
fehlen gerade die Stetten, aus denen man sehen könnte, wie er 
gabauan construirt; gavas stehet Lue. 8, 27 im Sinne von blieb 
(mansii), und hat die Präp. in garda ni gavas, wie das Griech. 
2v ohtia ovn Auch im ?lhd. hat püan, arton, wonen meh- 
rentheils diesen Begriff von mauere (bleiben, ruhen). K. 17*: 
in rihhes hüse puan (inregni tabernaculohabitare) ; T. i3i : 
ir wonet in minemo worte; J. 3, 6: in thir ardon; T. 11, 
4: artota in thero burgi; T. i3, 7: artota in uns; O. II. 2, 
64. V. 8, 56: buit in uns; V. 6, 62: buit in thir; I 3, i4* 
11, 8: büen in worolti; II. 19, 4: ufan himile, und es wäre 
hier oft der Aee. unzutäßig Wo aber voller Besitz und Einwir 
kung auf die Sache ausgedrückt werden soll, steht der Acc. O. II. 
6,52: nü büen anderaz lant; III. 26, 113 : nü büwen baldo 
kuningrichi sinaz; und im Mhd. Wig. 216: ieh sol binnen 
disen tan (silvarn habitabo), als min vater hat getan; Wig. 
266: swer dise werlt gebiuwet; Trist. ,32» : fremdiu lant 
binnen; noch lange später Hat sich in der Redensart: das elend 
bauen (in der Fremde wohnen) die alte Construetion fortge 
pflanzt, bis sie zuletzt in der nhd. Sprache ausgestorben ist. 
Denn wenn wir bauen mit dem bloßen Aec. setzen, bedeutet es 
aedificare, colere, nicht habitare, und das einfache wohnen 
leidet gar keinen Ace. der Sache. Allein die Composita bebauen, 
bewohnen, weil be- das nahe räumliche Verhältniß hervor- 
G
	        

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