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f. Römische Mosaiken aus Trier und
dessen Umgegend. Gezeichnet und erläutert
vom Domcapitular I. N. v. Wilmowsky.
Nach dessen Tode herausgegeben von der Gesellschaft
für nützliche Forschungen in Trier.
Hierzu ein Heft mit IX. Tafeln. Trier
1888. Folio.
Die vorliegende schöne Publication ist in
gewissem Sinne ein Werk der Pietät. Ein
Mann, dessen Leben dem Studium der Reste des
Alterthums geweiht war, die der Boden Triers
in sich schließt, hatte eine Anzahl Mosailböden,
von denen die meisten ohne sein energisches Hinzutreten
für immer verloren wären, ausgewählt,
um sie in farbiger Nachbildung seiner eigenen
Zeichnungen herauszugeben. Es vergehen Jahre,
ohne daß eS dazu kommt. Erblindet endlich,
kann er den verbindenden Text selbst nicht mehr
niederschreiben. Er dictirt ihn; wiederum vergehen
Jahre; nach seinem Tode endlich erscheinen
die Tafeln und die Erklärung. Eine
Einleitung aus der Feder des vr. Hettner
deutet an, an welchen Stellen die heutige
Forschung mit den von Wilmowskys nicht mehr
übereinstimme: dennoch wird dessen Meinung
hochachtungsvolle Würdigung zu Theil, indem
man sein Manuscript, soweit die Umstände dies
gestatten, unberührt zum Druck befördert. Alles,
was die- die Tafeln begleitende Heft enthält, ist
lehrreich und vortrefflich geschrieben. Es besitzt
den eigenthümlichen Reiz sämmtlicher auf Trier
bezüglicher Untersuchungen, die uns in die oft
wild bewegten Schicksale einer Stadt «'inkühren,
in die Zeiten der Ruhe, des Reicithrnn? und
der Pracht mit Tagen der Zerstörung uuv deS
Herabkommens in Jahrhunderten gewechselt
haben. Heute liegt Trier wie ein ausgebrannter
historischer Krater da, wenn man dieses Bild gestatten
will, und nur von guten und schlechten
Jahrgängen ausgezeichneter Weine ist noch die
Rede, wenn man von Schicksalen der Stadt
sprechen wollte. Es ist schade, daß sie doch
immer nur ein Platz zweiten Ranges war, von
dem Welterschütterndes niemals ausging: eine
»Geschichte Trier'S" könnte sonst eine Reihe von
Bildern vor vnS vorübergehen lassen, für die
eine prächtigere Staffage nicht zu denken wäre.
Ueber die Mosailböden, deren Muster nnst
hier vorliegen, ist nur zu sagen, was bei sc>
manchen Resten des Alterthums uns entgegentritt:
daß der weltumfassende ornamentale Geist
der Jahrtausende, in denen diese Dinge entstanden,
etwas unauslöschlich Lebendiges in sich
trug, daß auch bei den Produkten der Zeiten
des Berfallcns seine Schönheit behauptet. Das
sogenannte große Publicum der letzten Zeit, in
die Nachahmung und Bewunderung des Äoccocco
und des Barock hiueinverlockt, mtt denen der
unersättliche Hunger nach Abwechslung heute
gestillt werden soll, wird wenig gesunden Blick für
diese Tafeln übrig haben, deren Zweck einstweilen
wohl nur darin bestände, der Gelehrsamkeit neuest
Material zu schasse». Tritt früher oder später
allgemeineres Verständniß wieder an die Stelle
dieser Gleichgültigkeit, so wird die vorliegende
Publication sich dann den Dan! auch einer
späteren Generation enverben.
ßxw. La pietosa tomba di Cola di Rienzo.
Dü© .Wemorie di Doneoieo Tordi e »na
lettera dell» 111 » B# . Sindeeo di Koma.
Kontf 1887. Separatabdruck aus dem Journale
»11 Buonarroti 1 ' Serie HI, vol. HI,
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Der unbekannte gleichzeitige Biograph
Cola'S di Rienzo bemerkt, nachdem er daS'Ende
der Volkstribunen geschildert hat, wie das
wüthende Volk Roms den entstellten Körper
ihres »Befreiers" bis zu der Kirche San Marcello
geschleift und an den Balcon eines Hausest
gehängt habe. Rach zwei Tagen und einer
Nacht wären die Juden Roms gekommen und
hätten die Reste des Mannes vor dem Mausoleum
des AugustuS verbrannt. Gleich nach
Cola'S Tode umgab diesen phantastischen Abenteurer
ein mythischer Schimmer. Als ein Befreier
des Volkes, als ein Verfechter desselben
gegen alle Tyrannei, so lebt Cola di Rienzo m
der Erinnerung von einem großen Theile der
römischen Bevölkerung in Dichtung und Tönen
weiter, und die römische Stadtvertretung hab
mit .leiser politischer Tendenz in jüngster Zeih
sein Standbild aust Erz aufstellen lasten, zur
linken Hand an der großen Freitreppe zum
Capitol, die Michelangelo entworfen, vor dem
Käfige der Wölfin, an der Stelle, wo der Tribun
nach allgemeiner Annahme den Todesstreich
empfing. Seit welcher Zeit dann das Gerücht
umherging, der Körper Cola'S di Rienzo fei
überhaupt nicht verbrannt, sondern in einer
Kirche RomS beigesetzt worden, ist nicht zu bestimmen.
Genug, in der Kirche St. Maria di
Bonosa in Trastevere zeigte man einen Grabstein,
der Cola'S Gebeine decken sollte. In der
Reliesfigur eines Ritters auf der Platte, mit
Marmorinschrift und Wappen wähnte man das
Abbild dieses Mannes zu besitzen. Diese Volkstradition
hielt sich bist jetzt mit aller Zähigkeit,
waS immer auch die moderne historische Forschung
dagegen einwenden mochte. Und so kam es.
daß bei dem Abbruche dieser unscheinbaren
Kirche, die wie so zahlreiche andere Monumente
Roms von größerem Werthe der neuesten Baulust
weichen mußte, die Giunt& municipale
RomS in aller Stille Nachforschungen nach dem
Grabe und den Ueberresten Cola'S anstellen ließ,
die, wie zu erwarten, zu keinem Ergebniß geführt
haben. Gegen die Grundlosigkeit der
Volkstradition einerseits, andererseits gegen das
Vorgehen der Stadtvertretung RomS ans Grund
dieser Fabel richten sich die beiden obengenannten
Schriften Domenigs Tordi. Unter Zusammenstellung
des bezüglichen Materials zeigt er, wie
jene Grabplatte an St. Maria di Bonosa
weder das Wappen noch den Namen Cola'S di
Rienzo enthält. Am Fuße der Ritterfigur liest,
man die Worte »Niccolo Vecca" in den Schriftzügen
des Trecento. Wegen der Form Niccylo.
statt Cola, ist vermuthet worden. eS ruhe irgend
ein fremder Ritter dieses Namens an diesem,
Orte. Andrerseits aber kann man sich erklären,
wie gerade durch den Vornamen Niccolo die
Trasteveriner zu dem Glauben kamen. Cola's
Gebeine befänden sich unter jenem Steine. So,
existiren weder in St. Maria di Bonosa, noch,
sonst wo in Rom die Reste des .letzten der
Tribuner*; und der Bericht der gleichzeitigen
Biographen von der Verbrennung Cola's di.
Rienzo hleibl unangefochten.