Volltext: Kinder- und Hausmärchen

163 
machen und starben eines jämmerlichen Todes. Nach langen 
langen Jahren kam wieder einmal ein Königssohn in das 
Land und hörte, wie ein alter Mann von der Dornenhecke 
erzählte, es sollte ein Schloß dahinter stehen, in welchem eine 
wunderschöne Königstochter, Dornröschen genannt, schon 
seit hundert Jahren schliefe, und mit ihr schliefe der König 
und die Königin und der ganze Hofstaat. Er wußte auch 
von seinem Großvater, daß schon viele Königssöhne ge 
kommen wären und versucht hätten, durch die Dornenhecke 
zu dringen, aber sie wären darin hängen geblieben und 
eines traurigen Todes gestorben. Da sprach der Jüngling 
'ich fürchte mich nicht, ich will hinaus und das schöne Dorn 
röschen sehen? Der gute Alte riet ihm ab, aber er hörte 
nicht auf seine Worte. 
Nun waren gerade die hundert Jahre verflossen, und 
der Tag war gekommen, wo Dornröschen wieder erwachen 
sollte. Als der Königssohn sich der Hecke näherte, waren 
es lauter große schöne Blumen, die thaten sich von selbst 
auseinander und ließen ihn unbeschädigt hindurch: und 
hinter ihm thaten sie sich wieder als eine Hecke zusammen. 
Im Schloßhof sah er die Pferde und scheckigen Jagdhunde 
liegen und schlafen: auf dem Dache saßen die Tauben und 
hatten das Köpfchen unter den Flügel gesteckt. Und als er 
ins Haus kam, schliefen die Fliegen an der Wand, der Koch 
in der Küche hielt noch die Hand, als wollte er den Jungen 
anpacken, und die Magd saß vor dem schwarzen Huhn, das 
sollte gerupft werden. Da ging er weiter und sah im Saale 
den ganzen Hofstaat liegen und schlafen, und oben bei dem 
Throne lag der König und die Königin. Da ging er noch 
n*
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.