Full text: Kinder- und Hausmärchen

225 
ihm der liebe Gott den Rücken, ging hinüber zu dem 
kleinen Haus und klopfte an. Kaum hatte er angeklopft, 
klinkte der Arme schon sein Thürchen auf, bat den Wanders 
mann einzutreten und bei ihm die Nacht über zu bleiben. 
'Es ist schon finster,' sagte er, 'und heute könnt ihr doch 
nicht weiter kommen.' Das gefiel dem lieben Gott und er 
trat zu ihm ein. Die Frau des Armen reichte ihm die Hand, 
hieß ihn willkommen und sagte, er möchte sichs bequem 
machen und vorlieb nehmen, sie hätten nicht viel, aber was 
es wäre, gäben sie von Herzen gern. Dann setzte sie Kar 
toffeln ans Feuer, und derweil sie kochten, melkte sie ihre 
Ziege, damit sie ein bißchen Milch dazu hätten. Und als 
der Tisch gedeckt war, setzte sich der liebe Gott zu ihnen und 
aß mit, und schmeckte ihm die schlechte Kost gut, denn es 
waren vergnügte Gesichter dabei. Wie sie gegessen hatten 
und Schlafenszeit war, rief die Frau heimlich ihren Mann 
und sprach 'hör, lieber Mann, wir wollen uns heut Nacht 
eine Streu machen, damit der arme Wanderer sich in unser 
Bett legen und ausruhen kann: er ist den ganzen Tag über 
gegangen, da wird einer müde.' Won Herzen gern,' ant 
wortete er, 'ich wills ihm anbieten,' ging zu dem lieben 
Gott und bat ihn, wenns ihm recht wäre, möcht er sich in 
ihr Bett legen und seine Glieder ordentlich ausruhen. Der 
liebe Gott aber wollte den beiden Alten ihr Lager nicht 
nehmen, doch ließen sie nicht ab, bis er es endlich that und 
sich in ihr Bett legte: sich selbst aber machten sie eine Streu 
auf die Erde. Am andern Morgen standen sie vor Tag 
schon auf und kochten dem Gast ein ärmliches Frühstück. 
Als nun die Sonne durchs Fensterlein herein schien, und 
Grimm, Märchen. 15
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.