Full text: Kinder- und Hausmärchen

240 
fahren; und mußte sie der Esel in der Fahrgleise schleppen, 
so daß sie nur mit der großen Zehe auf die Erde kam, und 
war das nicht in dem Weg und nicht außer dem Wege. Und 
wie sie so daher kam, sagte der König, sie hätte das Rätsel 
getroffen und es wäre alles erfüllt. Da ließ er ihren Vater 
los aus dem Gefängnis und nahm sie bei sich als seine 
Gemahlin und befahl ihr das ganze königliche Gut an. 
Nun waren etliche Zahre herum, als der Herr König 
einmal auf die Parade zog, da trug es sich zu, daß Bauern 
mit ihren Wagen vor dem Schloß hielten, die hatten Holz 
verkauft: etliche hatten Ochsen vorgespannt und etliche Pferde. 
Da war ein Bauer, der hatte drei Pferde, davon kriegte 
eins ein junges Füllchen, das lief weg und legte sich mitten 
zwischen zwei Ochsen, die vor dem Wagen waren. Als nun 
die Bauern zusammen kamen, singen sie an zu zanken, 
schmeißen und lärmen, und der Ochsenbauer wollte das 
Füllchen behalten und sagte die Ochsen hättens gehabt: 
und der andere sagte nein, seine Pferde hättens gehabt, 
und es wäre sein. Der Zank kam vor den König, und der 
that den Ausspruch, wo das Füllen gelegen hätte, da sollt es 
bleiben, und also bekams der Ochsenbauer, dems doch nicht 
gehörte. Da ging der andere weg, weinte und lamentierte 
über sein Füllchen. Nun hatte er gehört, wie daß die Frau 
Königin so gnädig wäre, weil sie auch von armen Bauers 
leuten abstammte: ging zu ihr und bat sie, ob sie ihm nicht 
helfen könnte, daß er sein Füllchen wieder bekäme. Sagte 
sie ‘Ja, wenn ihr mir versprecht, daß ihr mich nicht verraten 
wollt, will ichs euch sagen. Morgen früh, wenn der König 
auf der Wachtparade ist, so stellt euch hin mitten in die
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.