Full text: Kinder- und Hausmärchen

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Richtigkeit hatte, ging er zu der Witwe und freite sie, und 
die Hochzeit ward gehalten. 
Am andern Morgen, als die beiden Mädchen sich auf 
machten, da stand vor des Mannes Tochter Milch zum 
Waschen und Wein zum Trinken, vor der Frau Tochter aber 
stand Wasser zum Waschen und Wasser zum Trinken. Am 
zweiten Morgen stand Wasser zum Waschen und Wasser zum 
Trinken so gut vor des Mannes Tochter als vor der Frau 
Tochter. Und am dritten Morgen stand Wasser zum Waschen 
und Wasser zum Trinken vor des Mannes Tochter, und 
Milch zum Waschen und Wein zum Trinken vor der Frau 
Tochter, und dabei bliebs. Die Frau ward ihrer Stief 
tochter spinnefeind und wußte nicht, wie sie es ihr von einem 
Tag zum andern schlimmer machen sollte. Auch war sie 
neidisch, weil ihre Stieftochter schön und lieblich war, ihre 
rechte Tochter aber häßlich und widerlich. 
Einmal im Winter, als es steinhart gefroren hatte und 
Berg und Thal vollgeschneit lag, machte die Frau ein Kleid 
von Papier, rief dann das Mädchen und sprach ‘da zieh das 
Kleid an, und geh in den Wald und hol mir ein Körbchen 
voll Erdbeeren: ich habe Lust danach? ‘Du lieber Gott,' 
sagte das Mädchen, ‘rat Winter wachsen ja keine Erdbeeren, 
die Erde ist gefroren, und der Schnee hat auch alles zu 
gedeckt. Und warum soll ich in dem Papierkleide gehen? es 
ist draußen so kalt, daß einem der Atem friert, da weht ja 
der Wind hindurch und die Dornen reißen mirs vom Leib? 
‘Willst du mir noch widersprechen?' sagte die Stiefmutter, 
‘mach daß du fortkommst, und laß dich nicht eher wieder 
sehen, als bis du das Körbchen voll Erdbeeren hast? Dann 
Grimm, Märchen. 5
        

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