Full text: Kinder- und Hausmärchen

113

16.
Die  sieben  Raben.
Ein  Mann  hatte  sieben  Söhne,  und  immer  noch  kein  Töchterche»,
so  sehr  er  sich  auch  eins  wünschte;  endlich  gab  ihm  seine  Frau  wieder
gute  Hoffnung  zu  einem  Kinde,  und  wies  zur  Welt  kam,  wars  ein
Mädchen.  Ob  es  gleich  schön  war,  so  wars  doch  auch  schmächtig
und  klein,  und  sollte  wegen  seiner  Schwachheit  die  Nothtaufe
haben.  Da  schickte  der  Vater  einen  der  Knaben  eilends  zur
Quelle,  Taufwasser  zu  holen,  und  die  andern  sechs  liefen  mit.
Jeder  wollte  aber  der  erste  beim  Schöpfen  sein,  und  darüber  fiel
ihnen  der  Krug  in  den  Brunnen.  Da  standen  sie,  und  wußten
nicht  was  sie  thun  sollten,  und  keiner  getraute  sich  heim.  Dem
Vater  ward  unter  der  Weile  angst  das  Mädchen  müßte  ungetaust
verscheiden,  und  wußte  gar  nicht  warum  die  Jungen  so  lange  ausblieben. ­
  ‘  sprach  er,  *  haben  sies  wieder  über  ein  Spiel
vergessen;'  und  als  sie  immer  nicht  kamen,  fluchte  er  im  Ärger
'ich  wollte  daß  die  Jungen  alle  zu  Naben  würden.'  Kaum  war
das  Wort  ausgeredet,  so  hörte  er  ein  Geschwirr  über  seinem  Haupt
in  der  Luft,  blickte  aus,  und  sah  sieben  kohlschwarze  Naben  auf
und  davon  fliegen.
Kindermärchen.  H
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.