© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L77 GOTHEN 309 Göz auf, das dem ags. Geät, altn. Gautr und jenem Gauda des Plinius entspricht, man vgl. die von Graff 4, 280. 281 gesammelten beispiele, denen ich hier ein einziges beifügen will: Wuotilgöz = ags. Vödelgeät (Haupt 1, 577.) nichts anders scheint im passional 64, 41 wuotegöz, wie zur Herabwürdigung des alten göttlichen namens sonst wüeterich (mythol. 121) gesagt wird, den ahd. namen Madalgöz drückt eine lat. form Madalgaudus, und den frauennamen Wuldargöza (trad. fuld. 2, 43) Venantius Fortunatus Ultrogotho (= Vuljaragujtö, wie Childeberts 441 gemahlin hiesz) aus. so schwanken wiederum beide formen. Fassen wir nun die vocale der doppelgestalt näher ins äuge, in Gelae steht E auszer bezug zum AU in Gaudae, welches deutschem ohr offenbarer ablaut des U in Gujrnns erscheinen musz. wie dies U nach der form 2urTuyvdai höchstes alter verräth, stellt es sich auch wegen jenes bezugs zu AU organischer als E dar. Gutae und Gaudae stehn sich also vocalisch zur seite, wie im sanskrit Drupadas und seine tochter Draupadi, Bhimas und seine tochter Bhaimi, Visravas und sein sohn Vaisravanas, oder der thüringische könig Bisinus und seine ge ­ mahlin Basina: in hindern und nachkommen wiederholen sich die namen der Vorfahren mit ablaut. hiernach können Gaudae nichts an ­ ders sein als spröszlinge der Gutae. Was aber der ablautende vocal andeulet, den fortwuchs des Stamms, soll gewis auch der sich ab- stufende consonant * ausdrücken: die Gaudae sind nicht mehr die alten Getae seihst, stammen aber von ihnen ab. in den ags. und altn. namen haben sich die T wieder ausgeglichen und nur die Verschieden ­ heit des vocallauts thut kund, dasz die Geatas abkömmlinge der Gotan sind, beide namensgestalten verknüpft merkwürdig der gothische volks- name Gautigolh bei Iornandes cap. 3 **. Ich bin so ausführlich, als es die bedeutsamkeit dieser unbeach-442 tetelen sinnigen namensverhältnisse heischt; es wird nicht an ferneren beispielen mangeln. Den eigentlichen begrif des Wortes Gothen verhüllt noch dunkel, für sich allein betrachtet dürfte Gaut oder Geät mit giutan fundere zusaminengehalten werden; als abstufung von Gu[m sträubt es sich dagegen. Musz man Gujia für ursprünglicher halten als Geta (wie das U in [ius Jmk für echter als I, E in tibi te, s. 261); jene wurzel ­ hafte berührung des volksnamens mit -getes -yerog (s. 179. 278) wäre dabei noch nicht ausgeschlossen, da sich auch in kuni yövog U * man vgl. ahd. werdan ward wurtun; ags. veordan veard vurdon; midan mitd midon; seodan seäd sudon. ** Zeusz s. 505 nimmt Gautigoth für einen pl., TH = S; das ist scharf ­ sichtig, aber in goth. spräche nicht recht statthaft (ahd. sahen wir s. 394 TH zu Z werden, nicht zu S) und was wäre aus Gautigös zu machen? adjectivisches gauteigs würde den pl. gauteigai fordern; eine ähnliche deutung von Massagetae wurde oben s. 224 abgelehnt, eben so wenig erläutert sich der analoge name Vagoth durch VagOs aus altn. Yagar, denn in der beigebrachten Olafssaga sind Vigar insein, kein volk, vgl. fornm. sög. 12, 365. endlich, und das entscheidet, schreibt Iornandes cap. 11 bellagines, cap. 13 Anses, cap. 23 Thiudos Rocas mit S.