9 es im Himmel so schön gewesen war und die Engel mit ihm gespielt hatten, so weinte es bitterlich. Wurzeln und Wald ­ beeren waren seine einzige Nahrung: die suchte es sich, so weit es kommen konnte. Im Herbst sammelte es die herabgefal ­ lenen Nüsse und Blätter und trug sie in die Höhle, die Nüsse waren im Winter seine Speise, und wenn Schnee und Eis kam, so kroch es wie ein armes Tierchen in die Blätter, daß es nicht fror. Nicht lange, so zerrissen seine Kleider und ein Stück nach dem andern fiel vom Leib herab. Sobald dann die Sonne wieder warm schien, ging es heraus, und setzte sich vor den Baum, und seine langen Haare bedeckten es von allen Seiten wie ein Mantel. So saß es ein Jahr nach dem an ­ dern und fühlte den Jammer und das Elend der Welt. Einmal, als die Bäume wieder in frischem Grün stan ­ den, jagte der König des Landes in dem Wald und verfolgte ein Reh, und weil es in das Gebüsch geflohen war, das den hohlen Baum einschloß, stieg er ab, riß das Gestrüppe aus einander und hieb sich mit seinem Schwert einen Weg. Als er nun hindurch gedrungen war, sah er unter dem Baum ein wunderschönes Mädchen, das saß da und war von seinem goldenen Haar bis zu den Fußzehen bedeckt. Er stand still und betrachtete es voll Erstaunen, dann redete er es an und sprach 'wer bist du? warum sitzest du hier in der Einöde?' Es gab aber keine Antwort, denn es konnte seinen Mund nicht aufthun. Der König sprach weiter 'willst du mit mir aus mein Schloß gehen?' Da nickte es nur ein wenig mit dem Kopf. Der König nahm es auf seinen Arm, trug es auf sein Pferd und ritt mit ihm heim. Und als er in das könig ­ liche Schloß kam, ließ er ihm schöne Kleider anziehen und