10 gab ihm alles im Ueberfluß. Und ob es gleich nicht sprechen konnte, so war es doch so schön und holdselig, daß er es von Herzen lieb gewann, und es dauerte nicht lange, so vermählte er sich mit ihm. Als etwa ein Jahr verflossen war, brachte die Königin einen Sohn zur Welt. Darauf in der Nacht, als sie allein in ihrem Bette lag, erschien ihr die Jungfrau Maria und sprach 'willst du die Wahrheit sagen und gestehen, daß du die verbotene Thür aufgeschlossen hast, so will ich deinen Mund öffnen und dir die Sprache wieder geben, verharrst du aber in der Sünde und leugnest hartnäckig, so nehm ich dein neu ­ geborenes Kind mit mir? Da war der Königin verliehen zu antworten, sie blieb aber verstockt und sprach 'nein, ich habe die verbotene Thür nicht aufgemacht,' und die Jungfrau Ma ­ ria nahm das neugeborene Kind ihr aus den Armen und ver ­ schwand damit. Am andern Morgen, als das Kind nicht zu finden war, ging ein Gemurmel unter den Leuten, die Köni ­ gin wäre eine Menschenfresserin und hätte ihr eigenes Kind umgebracht. Sie hörte alles, und konnte nichts dagegen sagen, der König aber wollte es nicht glauben, weil er sie so lieb hatte. Nach einem Jahr gebar die Königin wieder einen Sohn. In der Nacht trat auch wieder die Jungfrau Maria zu ihr ein und sprach 'willst du gestehen, daß du die verbotene Thüre geöffnet hast, so will ich dir dein Kind wieder geben und deine Zunge lösen: verharrst du aber in der Sünde und leugnest, so nehme ich auch dieses neugeborene mit mir? Da sprach die Königin wiederum 'nein, ich habe die verbotene Thür nicht aufgemacht,' und die Jungfrau nahm ihr das Kind aus den