29 5. Der treue Johannes. Es war einmal ein alter König, der war krank und dachte *das wird wohl das Totenbett sein, auf dem ich liege? Da sprach er 'laßt mir den getreuen Johannes konnnen. Der getreue Johannes war aber sein liebster Diener, und hieß so, weil er ihm sein Lebelang so treu gewesen war. Als er nun vor das Bett gekommen war, sprach der König 'getreuester Johannes, ich fühle, daß mein Ende heran naht, und da hab ich keine andere Sorge als um meinen Sohn: er ist noch in jungen Jahren, wo er sich nicht immer zu raten weiß, und wenn du mir nicht versprichst, ihn zu unterrichten in allem, was er wissen muß, und sein Pflegevater zu sein, so kann ich meine Augen nicht in Ruhe zuthun? Da antwortete der ge ­ treue Johannes 'ich will ihn nicht verlassen, und will ihm mit Treue dienen, Wenns auch mein Leben kostet? Da sagte der alte König 'so sterb ich getrost und in Frieden? Und sprach dann weiter 'nach meinem Tode sollst du ihm das ganze Schloß zeigen, alle Kammern, Säle und Gewölbe, und alle Schätze, die darin liegen: aber die letzte Kammer in dem lan ­ gen Gange sollst du ihm nicht zeigen, worin das Bild der Königstochter vom goldenen Dache verborgen steht. Wenn er sie erblickt, wird er eine heftige Liebe zu ihr empfinden, und wird in Ohnmacht niederfallen, und wird ihretwillen in