— 38 — den Kopf abhaust und mich mit ihrem Blute bestreichst, so erhalte ich das Leben wieder.' Der König erschrak, als er hörte, daß er seine liebsten Kinder selbst töten sollte, doch dachte er an die große Treue, und daß der getreue Johannes für ihn gestorben war, zog sein Schwert und hieb mit eige ­ ner Hand den Kindern den Kopf ab. Und als er mit ihrem Blute den Stein bestrichen hatte, kehrte das Leben zurück, und der getreue Johannes stand wieder frisch und gesund vor ihm. Er aber sprach zum König 'deine Treue soll nicht unbelohnt bleiben,' und nahm die Häupter der Kinder, setzte sie wieder auf und bestrich die Wunde mit ihrem Blut: davon wurden sie im Augenblick wieder heil, und sprangen herum und spielten fort, als wäre ihnen nichts geschehen. Nun war der König voll Freude, und als er die Königin kommen sah, versteckte er den treuen Johannes und die beiden Kinder in einen großen Schrank. Wie sie hereintrat, sprach er zu ihr Hast du gebetet in der Kirche?' 'Ja,' antwortete sie, 'aber ich habe beständig an den treuen Johannes gedacht, daß er so unglücklich durch uns geworden ist.' Da sprach er 'liebe Frau, wir können ihm das Leben wiedergeben, aber es kostet uns unsre beiden Söhnlein, die müssen wir opfern.' Die Königin ward bleich und erschrak im Herzen, doch sprach sie 'wir sinds ihm schuldig wegen seiner großen Treue.' Da freute er sich, daß sie dachte, wie er gedacht hatte, ging hin und schloß den Schrank auf, und holte die Kinder und den treuen Johannes heraus und sprach 'Gott sei gelobt, er ist erlöst, und unsere Söhnlein haben wir auch wieder,' und erzählte ihr, wie es sich alles zugetragen hatte. Da lebten sie zusammen in Glückseligkeit bis an ihr Ende.