97 14. Aschenputtel. Einem reichen Manne dem ward seine Frau krank, und als sie fühlte, daß ihr Ende heran kam, rief sie ihr ein ­ ziges Töchterlein zu sich ans Bett und sprach 'liebes Kind, bleib fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herab blicken und will um dich sein.' Darauf that sie die Augen zu und verschied. Das Mädchen ging jeden Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter und weinte und blieb fromm und^ gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne im Frühjahr es , wieder herab gezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau. Die Frau hatte zwei Töchter mit ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. Da ging eine schlimme Zeit für das arme Stiefkind an. 'Soll die dumme Gans bei uns in der Stube sitzen?' sprachen sie, 'wer Brot essen will, muß es verdienen; hinaus mit der Küchenmagd.' Sie nahmen ihm seine schö ­ nen Kleider weg, zogen ihm einen grauen alten Kittel an und gaben ihm hölzerne Schuhe. Dann lachten sie es aus und führten es in die Küche. Da mußte es so schwere Arbeit thun, früh vor Tag aufstehen, Wasser tragen, Feuer an- Grimm, Märchen. 7