115 17. Rotkäppchen. Es war einmal eine kleine süße Dirne, die hatte jeder ­ mann lieb, der sie nur ansah, am allerliebsten aber die Großmutter, die wußte gar nicht, was sie alles dem Kinde geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Sammet, und weil ihm das so wohl stand und es nichts anders mehr tragen wollte, hieß es nur das Rot ­ käppchen. Da sagte einmal seine Mutter zu ihm 'komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein, brings der Großmutter hinaus: sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Sei aber hübsch artig, guck nicht gleich in alle Ecken herum, wenn du in die Stube kommst, und vergiß nicht "guten Morgen" zu sagen. Geh auch ordentlich und lauf nicht vom Weg ab, sonst fällst du und zerbrichst das Glas: dann hat die kranke Groß ­ mutter nichts.' Rotkäppchen sagte 'ich will schon alles gut ausrichten,' und gab der Mutter die Hand darauf. Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkäppchen aber wußte nicht, was das für ein böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ihm. 8*