116 'Guten Tag, Rotkäppchen,' sprach er. 'Schönen Dank, Wolf.' Wo hinaus so früh, Rotkäppchen?' 'Zur Groß ­ mutter.' Was trägst du unter der Schürze?' Kuchen und Wein, gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke schwache Großmutter etwas zu gut thun und sich damit stärken.' 'Rotkäppchen, wo wohnt deine Großmutter?' 'Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichbäumen, da steht ihr Haus, unten sind die Nußhecken, das wirst du ja wissen' sagte Rotkäppchen. Der Wolf dachte bei sich 'das junge zarte Mädchen, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser schmecken als die Alte: du mußt es listig anfangen, damit du beide er ­ schnappst.' Da ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her, dann sprach er 'Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die rings umher stehen, warum guckst du dich nicht um? ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen? du gehst ja für dich hin, als wenn du zur Schule gingst, und ist so lustig haußen in dem Wald.' Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her hüpften und alles voll schöner Blumen stand, dachte es 'wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude machen; es ist so früh am Tag, daß ich doch zu rechter Zeit ankomme,' sprang in den Wald und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter hinaus stände eine noch schönere, und lief danach und lief immer weiter in den Wald hinein. Der Wolf aber ging gerades ­ wegs nach dem Haus der Großmutter und klopfte an die Thüre. 'Wer ist draußen?' 'Rotkäppchen, das bringt Kuchen