144 22. Mchers Vogel. Es war einmal ein Hexenmeister, der nahm die Gestalt eines armen Mannes an, ging vor die Häuser und bettelte und fing die schönen Mädchen. Kein Mensch wußte, wo er sie hin brachte, denn sie kamen nie wieder zum Vorschein. Nun trat er auch einmal vor die Thüre eines Mannes, der drei schöne Töchter hatte, sah aus wie ein armer schwacher Bettler und trug eine Kötze auf dem Rücken, als wollte er milde Gaben darin sammeln. Er bat um ein bißchen Essen, und als die älteste heraus kam und ihm ein Stück Brot reichen wollte, rührte er sie nur an, und sie mußte in seine Kötze springen. Darauf eilte er mit starken Schritten fort und trug sie in einen finstern Wald zu seinem Haus, das - mitten darin stand. In dem Haus war alles prächtig: er gab ihr, was sie nur wünschte und sprach 'mein Schatz, es wird dir wohl gefallen bei mir, denn du hast alles, was dein Herz begehrt.' Das dauerte ein paar Tage, da sagte er 'ich muß fortreisen und dich eine kurze Zeit allein lassen, da sind die Hausschlüssel: du kannst überall hingehen und alles betrachten, nur nicht in eine Stube, die dieser kleine Schlüs ­ sel da aufschließt, das verbiet ich dir bei Lebensstrafe.' Auch gab er ihr ein Ei und sprach 'das Ei verwahre mir sorg ­ fältig und trag es lieber beständig bei dir, denn ginge es