306 48. Die drei Faulen. Ein König halte drei Söhne, die waren ihm alle gleich lieb, und er wußte nicht, welchen er zum König nach sei ­ nem Tode bestimmen sollte. Als die Zeit kam, daß er ster ­ ben wollte, rief er sie vor sein Bett und sprach 'liebe Kin ­ der, ich habe etwas Vi mir bedacht, das will ich euch er ­ öffnen: welcher von euch der faulste ist, der soll nach mir- König werden.' Da sprach der älteste 'Vater, so gehört » das Reich mir, denn ich bin so faul: wenn ich liege und will schlafen, und es fällt mir ein Tropfen in die Augen, so mag ich sie nicht zuthun, damit ich einschlafe.' Der zweite sprach 'Vater, das Reich gehört mir, denn ich bin so faul: wenn ich beim Feuer sitze mich zu wärmen, so ließ ich mir eher die Fersen verbrennen, eh ich die Beine zurückzöge.' Der dritte sprach 'Vater, das Reich ist mein, denn ich bin so faul: sollte ich aufgehängt werden und hätte den Strick schon um den Hals, und einer gäbe mir ein scharf Messer in die Hand, damit ich den Strick zer ­ schneiden dürfte, so ließ ich mich eher erhenken, eh ich meine Hand aufhübe zum Strick.' Wie der Vater das hörte, sprach er 'du hast es am weitesten gebracht, du sollst der König sein.'